Archive for Mai, 2012



Schall und Rauch.

Reggae dröhnt aus den Lautsprechern, als ich die Tür öffne. Ich nehme den besten Tisch. Habe meinen Blick für alle. Heute Abend. Mein Rücken sucht Schutz an der Heizung. Ich warte. Er wird gleich kommen.

Hat er gesagt. Also warten. Weiß nicht wohin mit meinen Augen. Der hinterm Tresen bietet mir etwas an. Ich warte lieber. Er wird gleich kommen. Ich schaue. Ins Leere. Aus dem Fenster an meiner Seite. Suchend. Ein Paar schlendert vorbei. Trotz schlechten Wetters. Merken sie gar nicht.

Es quietscht. Die Tür geht auf. Das.. ist er nicht. Ein Stammgast. Verruchter.Zielstrebig. An die Bar. Der am Tresen weiß, was er braucht. Ohne Worte. Und zapft es. Ein altes Paar. Der Stammgast, nun zu meiner Rechten, checkt mich ab. Ich ignoriere ihn. Und warte.

SMS: 🙂

Ich grinse. Die Tür.. Er? Zwei Frauen in meinem Alter. Zum Tisch vor mir. Vertieft. In ihr Gespräch. Getrennt. Vom Rest. Merken sie gar nicht. Ich nun umzingelt. Von den anderen.

Die Intimität der Anonymität wird mir zu aufdringlich.

Will nicht hören, dass der Freund der einen sich in den besten Freund der anderen verknallt hat. Der ist nämlich bi. Will nicht sehen. Wie der Stammgast zu meiner Rechten sich betrinkt. In der kurzen Zeit. Weil er das sonntags immer so macht.

Mag die Blicke nicht, welche die anderen mir beiläufig zuwerfen. Höre ich ihnen zu oder bin ich weiter mit mir allein?

SMS: 🙂

Noch 10 Min. Warte ich. Frag mich worauf.

Hey Leute. Heiße Matrosin und mein Hobby ist Warten.

Eine Krone für den Clown


Hoppla!

In dieser Stadt (H) fließt die schwere Masse mit Trommeln und Lautsprechern.

Welch ein Lärm denkt er- er der Clown, der allein unterwegs ist auf Reisen.

Bang Boom Boing

fällt er auf die Nase. Umgerempelt so eben.

Wer? Wo liegt sie die rote?

Unhold..blickt er in ein freundliches Gesicht.

Es war ein Versehen.

Zu voll. Zum Stehen zum Sehen zum Suchen.

Das freundliche Gesicht reicht ihm seine Krone.

Entschädigung aus goldener Pappe.

Wie schön! Freut er sich und ersetzt seine Nase durch sein leuchtendes Haupt.

Er ist stolz anzusehen und schaut sich um.

Ein Heer voller Königinnen.

„Ich bin einer von ihnen“ denkt er, „Wir sind die Masse. Du bist es auch.“

Einen Moment lässt er sich verführen und treibt mit ihnen entlang.

Da rechts ist ein Park- eine hübsche Allee weist ihm

den Weg zur Bank.

Fertig zur Rast nimmt er sich die Krone ab.

Entdeckt nun ein Sprüchlein ganz fein und zart:

„Wenn jeder sein eigener König ist, muss keiner der König eines anderen sein“

sagt ein Zitat von Michael Sennhauser, Schweizer Radio drs.


Matrosin! Traf ich einen Fährmann in rotem Gewand.

Gebeugt von der Arbeit am Stocke.

Abwärts gerichtet sein Blick, konzentriert, voller Falten.

Sein Weg geradeaus bot ihm kein Ziel.

Seine Heimat war los.

Weiter nur! Weiter:

Arbeitete er sich ab! Vorbei an Fassaden.

Blind sein: für ihr Ertrinken.

Die Farben einer verlebten Idee zerbröckeln.

Stunde um Stunde in Bewegung bleiben.

Nicht mitreißen lassen.

Nicht kentern in all dem Morast vergangener Schichten einer Obrigkeit.

„Weiterfahren?“: seine Worte waren leer, als er zu mir sprach.

Er setzte mich drüben ab

und ging seinem Tagewerk nach.


Bild

 

Matrosin! Habe entdeckt: Die Welt ist bunt, nicht grau. Meine MFG nach I war chaotisch. Eine Fahrerin weigerte sich mich mitzunehmen. Sehe ich so schlimm aus? Melde mich bald. Gruß,  Clown


Morgens fällt er genauso schwer aus dem Bett. (Wie wir.)

Er schlürft seinen Kaffee, den er nicht Fair Trade gekauft hat.

Weil Ende des Monats- kein Geld.

Missmutig. Dieser Clown.

Erdrückt vom Geschehen der Zeit.

Der Gier- der Habsucht- dem Eifer.

Elende Wetten.

Die Raserei hier vor Ort.

Er selbst wollte weltbesster Clown sein.

Doch sein Blick in den Spiegel erschrickt.

Wohin er auch blickt, sieht er sein Versagen.

Morgentoilette!

Alltägliches Schminken- sein weißes Gesicht- ein Versuch.

Schwarze Augen. Roter Mund.

Heute die Clownsnase?

Er weiß es nicht.

Was tun, wenn der Clown verzagt und nicht mehr weiter mag?

Er muss los. Weg. Hinfort.

Sein Fluchtplan:

Er setzt sich die rote Nase auf.

Sucht nach ner MFG Richtung I.

Wirft sich noch einen zweifelnden Blick entgegen,

knipst das Spiegellicht aus

und schließt die Tür.

(Wir auf der Straße schauen ihm nach.)

Von hinten sieht er leichter aus.

(Wir bleiben leise zurück.)