Hunger. Ich werfe meinen Mantel über, schließe die Tür ab, hetze die Treppe hinunter.

Starrende Gesichter. Auf der Straße. Laufen vorbei. Ich will nur eine Tütensuppe. Also in den Konsumtempel nebenan. Auf drei Ebenen finde ich dort alles.

Angekommen. Drei mal tief durchatmen und durch die Masse schlagen. George Michaels „Freedom“ dröhnt aus der Elektromarkthalle. Von rechts plätschert Beruhigungsmusik aus dem Drogerie-Markt, abgelöst von Rihanna in der nächsten Boutique. Menschen. Dünne, Dicke, Alte, Junge, Familien, einige Wachmänner, eilige Geschäftsleute, Teenies. Menschen, die mir im Weg stehen. Menschen, die ihre Nasen an den Schaufenstern platt drücken. Menschen, die an den vielen Fressständen stehen. All diese Menschen und ich im Tempel.

Ich verharre auf der Rolltreppe und fahre nach unten. Leckere Düfte der angebotenen Lebensmittel vermischen sich mit dem Schweißgeruch des vor mir stehenden Mannes. Mein Bauchgefühl? Es kriecht meine Speiseröhre hoch und schnürt mir den Hals zu.

Unten. Endlich. Ich schiebe mich an der Menschenmenge vorbei. Halt? Niemand sieht mich. Die Augen der Konsumenten haben einen anderen Auftrag zu erfüllen. Da. Die Bank, neben dem Springbrunnen mit den Plastikpflanzen. Ich wanke drauf zu.  Einer schubst mich. Alles wird schwarz. Der Boden. Kontrolle? Verlust. Ergebe mich. Falle auf den Marmorboden. In die Dunkelheit der weiten Zeitlosigkeit.

Was ich nicht sehe? Die Konsumenten, die einen Kreis bilden, um mein Elend nicht zu verpassen. Was ich nicht höre? Das Getuschel. Weshalb und warum.

„Wir freuen uns Sie in unserer Einkaufsoase begrüßen zu dürfen. Sie finden Service und kleine Preise unter einem Dach. Das 6er Pack Socken für nur 5€…“ „Können Sie mich hören?“ Wie? Ich jetzt? Meine Augen öffnen.

Jetzt! Fällt mein Blick auf.

Offene Münder erstarren mich.

1. Rücken Sie

2. vor bis

3. auf Los!

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