Archive for Juli, 2012



Was,wenn der Konsument konsumiert wird?

Meine Glückslücke füllen.

Sie schließen. Kitten. Leimen.

Glück()ichsein mein Höchstes.

Mein Bestes herausholen.

Doch bin ich chronisch verärgert.

Toxisch:

der globale Körper,

der rollt und rollt und niemals still stehen will.

Tue was du liebst. Gerate in den Flow.

Die Formeln ins Glück()ichsein ertragen mich hinüber.

Und wenn nichts hilft, kauf ich mich glück()ich!

Konsum ist mein Tempel.

Doch der Glück()ich-Macher hat versagt!

Nun weiss ich’s.

Ich konsumiere eine Scheine-Welt.

Doch wen konsumiert sie?

Sind wir alle glück()ich

für ein bisschen Schein.

So will ich nicht sein.

Nein.

Matrosin: Linda Herman ist tot


Einmal traf ich eine Frau, westlich-schick mit blonder Perücke, ein rotes Kostüm Größe 36, roten Fingernägeln. All das trug sie gut auf ihren High Heels. (Frag mich noch immer wie sie das macht.)

Wir besprachen verschiedene Themen, vor allem ging es um Identität und Körperlichkeit. Sie führte ein sorgloses Leben, denn sie lächelte viel. Bis ich herausfand, warum sie das tat.

Inzwischen wird sie Plastik in ihrem Busen tragen, davon bin ich überzeugt. Die eine oder andere Falte wird weggespritzt sein. Ihr scheues Gesicht kaschiert sie mit einem blauen Lidschatten von Dior für 28,95 €, schwarzem False Lash Effect Mascara von Max Factor für 12,95 €. Ihre Dünnhäutigkeit wird von der  Double Wear Maximum Cover Foundation von Estée Lauder für 37,95 € gut verdeckt.

Einen blutroten Kussmund schenkt ihr der Einkauf bei ArtDeco, Poppy Red für 9,50 € sowie den ein oder anderen Mann.

An ungeschminkten Tagen verlor sie sich. Entnahm ihrem Pass den Namen „Linda Herman“?! Diese Frau war ihr nicht bekannt. Dem Zufall zum Glück, bekam ich sie einmal zu Gesicht. Mir blieb nur eine Ahnung von ihr. Doch zu kurz war mein Blick. Linda schämte sich. Konnte mir nicht begegnen und schubste mich mit unsicherem Lächeln zur Tür hinaus. Ihre entschuldigenden Augen sagten: „Du willst nicht mich!“

Nie wieder bekam ich Linda Herman zu Gesicht. Stattdessen begrüßte mich im immergleichen Lächeln eine immerhübsche „Ricarda Barnes“, die sich immer wieder das Leben nahm.

Insassen oder Rush Hour


Eine Busfahrt, die ist lustig.

Eine Busfahrt, die ist schön.

Hol-la-hi, hol-la-ho,
Hol-la-hi-a hi-a hi-a, hol-la-ho.

Wir folgen dem Clown einmal mehr auf der Tour durch sein mageres Leben und setzen ein Spotlight auf folgenden Augenblick:

Der Clown will von B nach A und leistet sich zur Überwindung der Distanz einen vollen Bus.

Ausgestattet mit Keksen, grünem Tee und den herkömmlichen Utensilien,

den Blick auf seine Taschenuhr gerichtet, sitzt er zufrieden darüber einmal nicht laufen zu müssen, im hinteren Abschnitt des Busses und lässt die Straßenkulisse an sich vorbeiziehen.

Sein leises Pfeifen des allen bekannten Liedchens offenbart uns eine fröhliche Grundstimmung.

Ein guter Tag für den Clown- mit ein wenig Bargeld in den Taschen und einem schönen Ziel vor den Augen.

Der Bus schiebt sich durch die Rush Hour. Anfahren- Halten- Anfahren-Halten-schwüle Hitze-Hupen- nächster Halt-Karl Marx-Str.

Eine blasse Frau mit schwarz gefärbtem Haar und zu kurzem Rock für die Form ihrer Beine, steigt ein,

‚auf der Suche nach einem Platz‘ im Blick.

Dicht gefolgt von einem Mann mit kurzem Haar, der wohl der ihre ist.

Sein linker ausgestreckter Arm verweist in eine bestimmte Richtung: Da hinten sind noch 2 frei.

Um diese Erwähnung nicht zu vergessen, anbei noch ein schneller Einwurf: Sämtliche andere Insassen starren mit leerem Blick ins Nirgendwo. Keine Ahnung wohin sie wollen. Jedenfalls nicht nach A.

Das schwarze Paar mit kurzem Haar scheint nun recht gut platziert auf der hintersten Bank. Als die Frau den Clown erblickt, stößt sie, einem Rülpser gleich, hervor: Oh nee lass weg. Springt auf und eilt mit sturem Blick nach vorn. So laut sie kann sagt sie zu ihrem Mann, der ihr folgt:

Lass besser nach vorne, da hinten ist es mir zu bunt.

Der Clown erschrickt.

Sprachlosigkeit über die rüpelnde Frau ohne Erziehung. Wo sind seine Worte? Der direkte Seitenhieb hat ihn getroffen. Die Vorverurteilung macht ihn betroffen.

Ein weiterer Insasse grinst der Frau beipflichtend zu: Ja, ich bin halt extrem und stehe dazu. Die Antwort aller Insassen ist kalt.

Unser Clown wendet sich nach innen ab und verliert sich in seinen Gedanken. Soll er sich wehren? Warum beschützt ihn niemand? Ist er tatsächlich zu bunt für diese Fahrt? Ist das Diskriminierung? Was ist das für eine Frau? Im Alter von etwa 30 Jahren? Eine Frau ohne Hintergrund? Warum dieser Hass?

Nächster Halt: Bonner Allee.

Ein neues Paar steigt vorne ein. Sagt die Frau zu ihrem Mann: Lass nach hinten, hier vorne ist es mir zu blass. Sie gehen den weiten Gang entlang zu den 2 freien Plätzen.

Nun blicken wir auf einen Bus voller Insassen-

blasse I., bunte I., traurige I., gestresste I., ver- und entliebte I., einige gefühlsneutrale I., also depressive I., reiche oder arme I.

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