Archive for August, 2012



Während der blutende Mann ohne Obdach auf der Bank

Halt sucht.

Stehen zwei Streifenpolizisten mit ratlosem

Blick vor dem Subjekt und warten.

Ein Ball zerbricht das Geschehen.

Fliegt ihnen um die Nasen.

Fehlschuss!

Die spielenden Kinder kreischen vorbei.

Zwei Frauen auf hohen Schuhen mit strengem Parfum und vollen Taschen

jagen nach dem geeigneten Plätzchen für ihren Coffee To Go.

Ein Straßenfeger betrachtet die Szenerie.

Wie nur den Dreck schnell beseitigen.

Als ein Rettungswagen den Mann ohne Obdach

aus Clowns Blick entfernt,

rollen die Pappbecher des Coffee To Go in Richtung Blutlache.

 

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Clowns Seifenblase Nr. 1


Der Geschmack dieser Zeit

Stille stand ich neben mir vor einem Bonbonpalast aus rotweißgestreiftem Zuckerwerk der Villa Rotlicht zog mich an sie strahlte mir entgegen eine Verführung welch Spiel dies war mein Glück und ich übersah als mich die Frau hinter dem Fenster aus Glas vermutlich die Herrin des Hauses erblickte der Glanz der rotweißen Zuckerschicht verlockte mich meine Zunge weit herausgestreckt küsste ich die Wand zärtlich duftendes Karamell begrüßte mich der Geschmack dieser Zeit Trostlosigkeit schien überwunden welch Wonne welch Glück schleckend labte ich meine Seele an dieser Fassade bis mein Bauch voll war und der Knopf meiner Hose aufplatzte da wollte ich zurück in mein Leben doch meine Zunge blieb kleben die Frau die Herrin des Hauses kam mir nun in den Sinn ihren Blick ihre Aufmerksamkeit suchte ich zu finden zu spät denn sie lief vorbei an meiner Zunge und an der Vanillestange und den Nougateiern und den Baiser-Nestern sie ließ mich zurück in der süßen Falle also auch meine Zunge inzwischen bin ich endlich satt um nicht zu sagen fett


Unser Clown trauert noch immer seiner vergeblichen Plastik-Liebe zur russischen Traumfrau nach.

Zu schade! Warum nur ist diese Frau nicht echt? Sie hätte es sein können. Die Richtige. Das hat er gespürt. Der Clown liebt seine Seifenblasen. Er lebt von ihnen. Stets sind sie ihm treue Begleiter gewesen. Ja,  die ein oder andere ist zerplatzt. Es tat immer sehr weh, sie als Pfützchen am Boden liegend zu sehen. Eine Idee weniger, eine unerhörte Lust, eine falsche Medaille. Eine ungelebte Liebe. Aber er wäre kein Clown, hätte er nicht das Werkzeug sich neue Seifenblasen zu pusten. Auch heute versucht er es wieder und wieder mit kussrotem Mund. Doch kein Glück. Entweder der Wind vertreibt sie oder sie wollen sich einfach nicht formen lassen. Bleiben aus. Pustenderweise läuft unser Clown umher.

Was tun ohne Seifenblasen? Er ist ein Nichts ein Niemand und noch viel mehr. Unruhe treibt ihn vor sich her. Finden. Irgendwas! Finden.

Die russische Textilarbeiterin hat ihn immerhin eine Zeit lang begleitet. Sie fehlt ihm von Herzen. Leere macht sich breit, schluckt jede Hoffnung. Lächerlich kommt er sich vor. Lacht sich selbst aus, er weiß sehr wohl, dass er einer Illusion hinterherlief. Die Wut auf sich selbst macht ihn bitter. Zu oft schon sind ihm seine Seifenblasen zerplatzt. So viel Liebe und Mühe. Gedanken umkreisen unseren Clown. Er wird sie nicht los. Er fühlt sich allein und verloren. Verraten und verkauft.

Halt?! ruft ein Mädchen von der Straße. Beinahe hätte er sie umgerannt. So vertieft in Gedanken, so durcheinander seine Mitte, so rasend seine Beine.

Um die Zeit noch so schnell unterwegs? Warum? Er weicht ihrer Frage aus. Sonderbar lacht sie ihn an. Eine langsame Person.

Gehen wir ein Stück zusammen?

Wer bist du?

Dein Entschleunigungsprogramm.

Erst jetzt bemerkt er seine Müdigkeit. Die hat er in seiner Hektik nicht gespürt.

Lass uns doch gemeinsam nach dem Glück- oder wie du es nennen magst- streben.

Nur wenn du gut pusten kannst, schmollt er.

Clown, schaust du dich auch mal um? Da sieht er das Mädchen an.

Vergiss deinen Atem nicht, sagt sie.

Eben noch war er allein.