Unser Clown trauert noch immer seiner vergeblichen Plastik-Liebe zur russischen Traumfrau nach.

Zu schade! Warum nur ist diese Frau nicht echt? Sie hätte es sein können. Die Richtige. Das hat er gespürt. Der Clown liebt seine Seifenblasen. Er lebt von ihnen. Stets sind sie ihm treue Begleiter gewesen. Ja,  die ein oder andere ist zerplatzt. Es tat immer sehr weh, sie als Pfützchen am Boden liegend zu sehen. Eine Idee weniger, eine unerhörte Lust, eine falsche Medaille. Eine ungelebte Liebe. Aber er wäre kein Clown, hätte er nicht das Werkzeug sich neue Seifenblasen zu pusten. Auch heute versucht er es wieder und wieder mit kussrotem Mund. Doch kein Glück. Entweder der Wind vertreibt sie oder sie wollen sich einfach nicht formen lassen. Bleiben aus. Pustenderweise läuft unser Clown umher.

Was tun ohne Seifenblasen? Er ist ein Nichts ein Niemand und noch viel mehr. Unruhe treibt ihn vor sich her. Finden. Irgendwas! Finden.

Die russische Textilarbeiterin hat ihn immerhin eine Zeit lang begleitet. Sie fehlt ihm von Herzen. Leere macht sich breit, schluckt jede Hoffnung. Lächerlich kommt er sich vor. Lacht sich selbst aus, er weiß sehr wohl, dass er einer Illusion hinterherlief. Die Wut auf sich selbst macht ihn bitter. Zu oft schon sind ihm seine Seifenblasen zerplatzt. So viel Liebe und Mühe. Gedanken umkreisen unseren Clown. Er wird sie nicht los. Er fühlt sich allein und verloren. Verraten und verkauft.

Halt?! ruft ein Mädchen von der Straße. Beinahe hätte er sie umgerannt. So vertieft in Gedanken, so durcheinander seine Mitte, so rasend seine Beine.

Um die Zeit noch so schnell unterwegs? Warum? Er weicht ihrer Frage aus. Sonderbar lacht sie ihn an. Eine langsame Person.

Gehen wir ein Stück zusammen?

Wer bist du?

Dein Entschleunigungsprogramm.

Erst jetzt bemerkt er seine Müdigkeit. Die hat er in seiner Hektik nicht gespürt.

Lass uns doch gemeinsam nach dem Glück- oder wie du es nennen magst- streben.

Nur wenn du gut pusten kannst, schmollt er.

Clown, schaust du dich auch mal um? Da sieht er das Mädchen an.

Vergiss deinen Atem nicht, sagt sie.

Eben noch war er allein.

 

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