Archive for Februar, 2013



Wir beobachten:

Einen großen runden Tisch, an dem einige Freunde sitzen. Die Matrosin bruncht mit ihnen in fröhlicher Stimmung. Sie ist so sehr in ein gutes Gespräch vertieft, dass sie ganz selbstverständlich einen Bissen des vor ihr liegenden Putenbrustfilet-Brötchens nimmt. Putenbrustfilet?

Aaah Schuldgefühle! Wegen Fleischgenuss? Das ist zuviel. Das ist alles nur geträumt. Sie erwacht.

Jeder Ex-Raucher kennt diesen Traum. Es ist ein Zeichen, dass man sich nun endlich von der alten Sucht lossagt. Aus. Schluss. Vorbei. Das gibts nie wieder.

Wenns um Zigaretten geht, ist das für die Matrosin gar keine Frage. Sie ist froh, dass sie diese Dinger schon lange los ist. Aber Schuldgefühle wegen Fleischverzehr?

Nach knapp 2 Wochen ohne scheint ihr das übertrieben.

Die Matrosin hat mit vielem gerechnet, als sie sich im Vorwege Gedanken über ihr veganes Fastenvorhaben machte.

Sie malte sich schmerzhafte Nebenwirkungen aus. Heisses Verlangen auf Butter und Käse oder Eier, dementsprechend vergrätzte Alltagsstimmung und Unzufriedenheit in ihrem Gesicht.

Dazu heimliche, nächtliche Fressattacken in Form von Brie, Gouda und Tilsiter, die ihr vorführen, wie sehr sie sich selbst bescheisst.

Das hat sie erwartet. Doch nein. Still und zugehört:

Matrosins bisherige Nebenwirkungen sind:

gute Laune, mehr Gelassenheit, ein leichteres Körpergefühl, mehr Achtsamkeit,  zudem eine höhere Wertschätzung für sich selbst und unsere Mitgeschöpfe z.B. für Bienen und Mitmenschen.

Und kein Ende in Sicht.

Jetzt beschleicht sie eine andere Angst, nicht zuletzt hervorgerufen durch das intensive Durchleben der Schuldgefühle in ihrem Traum..

Wird sie zur Veganerin? Das hat sie so nicht geplant.

Was will ihr dieser Traum also sagen?

Das vegane Fasten zeigt ihr gerade die genussvolle Seite des Lebens, sie isst und isst und isst sich durch den grauen Alltag und das ohne schlechtes Gewissen.

Alles was sie ist, macht ihr Spaß und sonst nichts.

Sie merkt, was sie alles nicht braucht. Und dass es immer anders geht.

Das ist ziemlich befreiend und macht sie froh.

Zwischenzeiten..


Manchmal ist etwas schon zu ende, aber das Neue ist noch nicht so recht in Sicht.

Der Clown steht an seinem vernebelten Wegesrand, grübelt und späht aus, geht einen Schritt vor und wieder zwei große Schritte zurück. Einen Wegweiser kann er nicht finden.

Was ist richtig für ihn? Was gilt es jetzt zu tun? Er weiss es nicht. Nirgends eine Abbiegung, die ihm gefällt oder schon in Reichweite liegt.

So hält er inne. Macht eine Pause und lässt das Leben seine Pläne für die nächsten Tage machen.

Seltsam je mehr er inne hält, desto umtriebiger werden seine Gedanken. Dem Clown bleibt nichts anderes übrig als auch dieses verzweifelte Liedchen vom richtigen Weg in seinem Büchlein abzulegen. Obs hilft?


in den Raum gestellt

es handelt sich bei diesen Stadtbienen leider um die Honigbiene, lieber wären mir die Wildbienen..


Die Matrosin war heute im Hamam. Was sehr schön, weil warm, war und den durch das Fasten angestrebten körperlichen und seelischen Reinigungsprozess gefördert hat.

Im Gegensatz zur Sauna kann man sich im Hamam ausgiebig pflegen, indem man seine Peelings, Haarspülungen und Gesichtsmasken mitbringt und dort verwendet. Nichts leichter als das, wenn man einen feinen Vorrat im Badezimmerschrank weiss.

Die Matrosin griff also nach einer besonderen Lavendel/Orangenblütenhonig-Paste, eine spezielle Pflege fürs Hamam. Aber Honig in der veganen Fastenzeit? Das hatte sie so nicht vor.

Ich werde ihn ja nicht essen oder einkaufen und trage doch auch Schuhe aus Leder. Die Tube ist seit zwei Jahren geöffnet und noch, dank der Konservierungseigenschaften des Honigs haltbar, aber wann werde ich die nächste Gelegenheit für einen Hamam-Besuch haben? Ich weiss es nicht. Und so etwas kostbares aus Bienenhonig und Propolis wegwerfen geht gar nicht.

Also steckte sie die Tube in ihre Tasche und später im Hamam genoss sie diese Pflege ganz besonders. Der Geruch des Honigs war süß duftend und entspannend, die Haut wurde sanft von der warmen Konsistens des fließenden Honigs umhüllt. Doch als der durch die Hitze verflüssigte Honig über ihren Mund floss, schleckte ihre Zunge schnell darüber hinweg. Reflex.

Morgen gehts ganz ohne Honig-Körper-Maske, dafür herrlich entspannt, weiter.

Die Matrosin war sich selten so bewusst wie heute, dass ihr dieser Genuss von vielen fleißigen Arbeiterbienen ermöglicht wird. Sie beschliesst den Bienen und dem Sinn des Verzichts auf Honig, der sich ihr bisher von allen „Veganer-Do Not’s“ am meisten verschließt, nachzugehen.

Vorerst setzt sie ein großes ? hinter den Verzicht auf Honig. Sie isst ihn gewöhnlich sehr selten, so 1-2 Mal im Jahr, aber dennoch, versteht sie nicht genau, was gut daran sein soll, auf ihn zu verzichten.

Gewöhnliche Massentierhaltung stellt die Haltung eines Bienenvolks wohl eher nicht dar.

Aber wie arbeiten Imker eigentlich? Wie kann man im Einklang mit der Natur imkern und wie nicht?

Wisst Ihr vielleicht etwas über die Arbeitsbedingungen von Bienen?


Die Matrosin lebt nun seit 5 Tagen vegan und ist gerade euphorisch. Sie kocht sich durch die Tage, findet sich kreativ und ist mehr als satt und zufrieden von all den genüsslichen Gerichten, die sie ganz schnell und einfach zaubert. Die Formel „ohne ist mehr“ geht hier bisher voll auf. Der Verzicht auf die gewohnten Milchprodukte und Fleisch zwingt sie dazu, sich Gedanken über ihr Essen zu machen. Alternativen zu finden, die nicht nur satt machen, sondern auch schmecken. Wenn man fastet, sollte man schlechte Laune vermeiden, wissen wir doch alle, dass es keinen guten Eindruck auf seine Mitmenschen macht, wenn man verkniffen auf die Regeln bedacht ist und damit den Genuss vergisst. Ihr erinnert euch sicher noch an den armen Bürgermeister aus dem Film „Chocolat“, der schlussendlich einem Schoko-Rausch verfiel und sich so selbst vorführte, weil er nur das „ohne“ im Blick hatte.

Damit ihr an Matrosins Glück teilhaben könnt, schenkt sie euch ein selbst kreiertes Rezept:

Für 1 Portion:

2-3 Hände Feldsalat, gewaschen und verlesen

1 Bio-Blutorange (wir brauchen etwas Schale für die Mayonnaise)

etwas Räuchertofu

Eine Hand voll Kürbiskerne, am besten in der Pfanne geröstet

Saft einer halben Zitrone

Olivenöl

1-2 EL Tahin (Sesampaste)

Den Feldsalat auf einem großen Teller anrichten. Die Blutorange heiss abwaschen und nach Geschmack etwas Schale abraspeln. Dann die Blutorange abpellen und mit einem scharfen Messer in kleine Würfel schneiden. Auf dem Salat verteilen. Inzwischen den gewürfelten Tofu 3- 4 Min auf mittlerer Flamme anbraten. Für das Dressing nimmst du 1-2 EL Olivenöl, 1-2 EL Tahin, den Saft einer halben Zitrone, die abgeriebene Blutorangenschale. Etwas Pfeffer und Salz. Alle Zutaten gut miteinander verrühren, so lange bis eine schöne Creme entsteht. Mit dem Tofu auf dem Salat anrichten.

Guten Appetit!

be my valentine


Leider hat der Clown niemanden, der sein Valentine sein könnte. So umarmt er sich selbst mit einem tiefen Seufzer, gibt seinem Spiegelbild einen Kuss und schreibt in sein Büchlein:

Die Richtige wird mich noch finden und ich bin dann da! Kein Grund für Zweifel.


1. Schritt :

Unsere Matrosin hat die Fastenzeit heute sozusagen On The Road begonnen.

So war sie gezwungen sich auswärts zu ernähren. Gar nicht so leicht etwas „ohne“ zu finden. Ihr veganer Tag sah so aus: Knäckebrot, Margarine, die ihr gar nicht gut schmeckt, und Marmelade, dazu eine Soja-Latte. Pommes mit Ketchup- was besseres fiel ihr nicht ein- der Kauf eines Familienglases Nussmus- vielleicht ersetzt das die Margarine? Und dann noch eine Dose Bio-Linsensuppe ohne Fleisch.

Jetzt sitzt sie gemeinsam mit dem Clown bei einem Kakao aus Soja-Reis-Milch und blättert sich durch vegane Kochbücher. Ihr fallen die leckeren Lakritzbären aus Gelatine, die sich noch in ihrem Vorratsschrank tummeln, ein. Die müssen warten oder suchen besser einen neuen Besitzer.

7 Wochen ohne!

Der Clown zweifelt nun doch am Erfolg ihres Fastenvorhabens, worauf ihn die Matrosin auslacht und nötigt eben diesen Zweifel aufzuschreiben und zu vergessen.

So schreibt er in großer Schrift in sein extra dafür angelegtes Büchlein : 7 Wochen zweifelsfrei!

Kann ich das wirklich schaffen? Es wird ein Auf und Ab. Mal gelingen und vielleicht auch mal nicht. Doch bin ich nicht allein.

„Richtig“ grinst ihn die Matrosin aufmunternd an und klopft, mit der Tüte Lakritzbären in der Hand, an der Nachbarstür.

Currywurst..


Die Matrosin isst jetzt noch mal eben eine Currywurst..;)

Wer mitfasten möchte, findet auf http://anderezeiten.de/ ganz viele Schönes und Infos.


Der Clown und die Matrosin konsumieren im Alltag vieles gedankenlos. Das macht ziemlich satt. Sie haben keine Lust mehr auf diese Überfluss-Wegwerf-Fress-Attacken-Supermarkt- Realtität.

Um herauszufinden, wie es ist auf etwas zu verzichten, was sie im Alltag gedankenlos konsumieren, machen sie einen Selbstversuch.

Beide haben sich überlegt, was sie ständig achtlos konsumieren. Und das wird gefastet. 7 Wochen lang.

Die Matrosin wird sich vegan ernähren. Das ist für sie eine Herausforderung, da sie bisher zu den Allesfressern zählt. Ihre Lust auf Fleisch widerspricht jedoch ihrer umweltpolitischen Haltung. Sie will ihren Klima-Fußabdruck verkleinern und das kann sie durch den Verzicht auf tierische Produkte erheblich. Sie will herausfinden, wie es ist, auf Milch, Käse, Butter, Eier und Fleisch, aber auch Honig zu verzichten. Es wird eine große Umstellung für sie, klar hat sie sich in den letzten Tagen mit Kochbüchern und vielen Tipps von Freunden, die so leben, eingedeckt. Die Bücher machen Lust aufs Probieren und ihre Freunde sehen auch ganz zufrieden aus. Warum also nicht einen Versuch wagen?

Und was konsumiert der Clown täglich und zwar gedankenlos im Überfluss? Er hängt immer wieder in Gedankenschleifen fest. Inzwischen weiß er, dass ein Großteil seiner Gedanken aus Zweifeln besteht. Zweifel an sich selbst, an anderen, aber auch an seinen Gaben, seinem Talent, seiner Liebe an seinem Erfolg. Ihr lest schon, es sind wahre Gedankenlawinen, die der Clown tagein tagaus konsumiert.

In den nächsten 7 Wochen wird er seine Zweifel fasten.

Das wird ein schwieriges Unterfangen, der Clown muss gut in sich hinein horchen und ehrlich zu sich selbst sein, will er es auch nur annähernd schaffen. Es wird ihm sicher nicht immer gelingen, aber wenn er einen Zweifel bemerkt, kann er ihn sich bewusst machen und loslassen. Darum soll es für ihn gehen.

Neben der Konsumkritik und dem Versuch, sich selbst zu zeigen, dass es auch anders geht als gewohnt, spielt für den Clown wie auch für die Matrosin Spiritualität eine Rolle. Sie diskutieren oft über religiöse Fragen. Hadern mit Gott und suchen nach ihrer  Haltung zu ihm.

Sie erhoffen sich in den nächsten 7 Wochen auf diesem spirituellen Weg weiterzukommen. Weiterzukommen ist hier jedoch die falsche Begrifflichkeit, denn um ein Eifern, eine Erfolgsorientierung soll es hier eben nicht gehen.

Das Fasten soll ihnen zeigen, dass es gut sein kann, etwas zu entbehren, dass es gut sein kann sich vom gewohnten Weg zu entfernen, einmal inne zu halten und eine altgeliebte Angewohnheit zu hinterfragen, indem man sie loslässt.

Wohin es geht wissen beide nicht, aber sie werden auf sich achten, sich beobachten und ihr Verhalten reflektieren. Im Jetzt sein und wenn es mal nicht gelingt, werden sie nicht verkniffen und frustriert aufgeben, sondern über sich lachen und sich selbst etwas besser kennenlernen und vielleicht sogar die ein oder andere Sache mit Gott besser verstehen.

Ihr werdet in den folgenden 7 Wochen, einen Erfahrungsbericht von dem Clown und der Matrosin lesen können. Im besten Fall macht Ihr beiden Mut oder hinterfragt ihr Fasten.


Ich..

fuhr eine Weile lang! zur See, auf einem Frachtschiff. Habe viel zu Gesicht bekommen.
Ich bin launisch, mehr laut als leise, ungeduldig!, ein Putzteufel. Ich liebe Fleisch und lasse mir die Achselhaare stehen, aus Protest! Der allgemeine Schönheitswahn ist kaum zu ertragen, obwohl ich dem Ideal dieser Zeit! sehr wohl entspreche. Das hatte zur Folge, dass ich zwar viele Männer, vielleicht auch die ein oder andere Frau, kennenlernte, die mir anfangs vieles versprachen. Diese ließen mich jedoch zu schnell fallen, als sie erkannten, dass ich keine leichte Trophäe war.

Ich kann sie also nicht halten die Steppenwölfe dieser Zeit?

Sie zeigen sich überrascht, wenn sie spüren, dass ich mich an sie binden will. Du bist immer so souverän. Du bist immer so souverän. Du bist. Immer. So.Souverän. Sie meinen das ernst.

Ich bin die Matrosin und liebe es mit mir allein zu sein. Dann fühle ich mich frei, lege niemandem Rechenschaft für mein Wie oder Was ab. Ich bin sicher mit mir.

Ja- verdammt! Ich bin souverän, so wie ein Staat es ist oder eine Konsumentin.

Doch auch meine kleine Seele strebt nach Verbindung mit anderen. Wie soll sie sich erfahren? Sich entwickeln ohne eine andere Seele, die bereit ist, ihren Weg mit ihr zu teilen? Wer Nähe schaffen will, die langfristig wächst, gibt einen Teil seiner Souveränität auf. Er darf das selbstbewusst tun, ist aber nicht unabhängig in seinem Handeln.

Natürlich kann ich ans Regal gehen und mir eine neue Maske auswählen, die mit mir spielt- eine Zeit lang!- ja, das habe ich schon gemacht. Es ist schön für den Moment!. Keine Frage.

Warum also nicht?

Wegwerfen macht träge. Wen schauen wir an, wenn Persona auf Persona trifft?

Wenn sich eine Maske einer anderen Maske verstellt.

Doch kommt der Moment!, seine Maske ein Stück weit abzulegen, dann werfen wir uns weg, werfen uns immer und immer wieder weg und halten Ausschau nach der Maske auf Regalplatz I 35.

Wie schade.

Wer etwas unbeachtet wegwirft, der wirft auch ein Stück von sich selbst weg. Davon bin ich überzeugt.

Wir sehen nicht. Wir hören nicht. Wir sprechen nicht.

Wir konsumieren.