Über den Clown..

Seine biographischen Eckdaten liegen irgendwo dazwischen:

1.) Kindheit während der letzten Atemzüge des Kalten Kriegs. Es gab die RAF.

2.) Pubertät durchlebt als die Wende und ihre vollbusige Freundin Wiedervereinigung unsere fette Zukunft und blühende Landschaften heraufbeschworen. Was ist geblieben?

3.) Das Weltbild einer universellen, befriedeten Konsumgesellschaft wurde durch 9/11 zerstört und hinterließ einen verunsicherten Twen. Die Entscheidung sich zum Clown ausbilden zu lassen begründet der Clown heute darin.

4.) Wo sind die Millenium-Goals? Der Weltfrieden hat sich nun völlig verpisst. Die Konsumgesellschaft, die frisst statt zu streiken, ist uns geblieben. Sie wird immer fetter.

5.) Der Feind kommt von innen. Zwischenstaatliche Kriegsstrategien greifen nicht mehr. Die Gier, eine der Todsünden, wird zur neuen Sucht. Wir führen erneut Glaubenskriege?!

6.) Das Finanzsystem ist los und unsere Rechenmaschinen bestimmen Zeitgeist wie Alltag.

7.) Der große letzte Bruder ist nicht mehr wirklich rot und überschwemmt unseren Markt mit massenhaft hergestellten elektronischen Kleingeräten.

8.) Die EU importiert nun keinen Rohstoff mehr aus Iran sondern Aserbaidschan.

Clowns Charakter- geprägt neben familiären, sozialen Faktoren, auch von o.g. Eindrücken und  Erlebnissen:

Er ist schüchtern. Nein leise. Beides. Dennoch bunt, nicht grau. Ein Kind, welches sich ständig neu erfindet, aber auch sucht.

Ihm fehlt Anerkennung und Applaus. Der Lohn aller Künstler. Denn die Leute, sein Publikum,bleiben aus. Alle hetzen! Scheuchen ihr Hamsterrad. An ihm vorbei. Gescheucht von ihrem Arbeitgeber, ihrer Lust nach Konsum und der Angst in diesem technischen Spiel zu verlieren.

Das bedrückt den Clown. Wie oft ich ihn schon aufbauen musste. Hat es nicht leicht zwischen Krusty, dem Clown und Ronald Mc Donald. Selbstfindungsprobleme. Identifikation! Womit? Ganz nach Kant fragt er immer mal! wieder: Was kann ich wissen? Was darf ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?

Die Pflicht zum Multitasking zerstreut ihn regelmäßig.

Und dann kommt er zu mir und fragt mich: „Sollen wir Bubble Tea trinken oder doch lieber mit den Kröten wandern?“