Category: Warten



Matrosin: Über die Adventszeit besuchten wir Marion, unsere Urheberin, die uns, weihnachtlich gestimmt, beherbergte und an ihrem Leben teilhaben ließ. Danke Marion, es war sehr schön bei dir zu sein.

Wer sich in meiner Kajüte herumtreibt, weiss, dass ich Fleisch liebe. So lässt sich meine lange Abwesenheit mit der Völlerei in der Weihnachtszeit erklären.

Der Clown findet mich deshalb ziemlich brutal. Vielleicht meldete er sich deshalb solange nicht bei mir? Und davor war irgendwas anderes. Und davor war wieder was anderes.

So verstrich die Zeit auch ohne Blog und nun starten wir ins Jahr 2013, naja ich rolle eher, was den Clown (er meldet sich wieder) dazu bewegt, mich wegen meiner maßlosen Fleischesserei zu verhöhnen. Ich fühle mich  seinen Bekehrungsversuchen ständig ausgesetzt, das widerum stärkt meinen Widerstands-Geist. Ich halte dagegen. Die Regale sind doch voll von dem Zeug. Die Schlachthöfe sind weder zu sehen noch zu riechen, weil zentralisiert im Nirgendwo. Der Blick auf die Kadaver bleibt mir also erspart und ich kaufe immerhin im Bio-Supermarkt.

So träume ich weiter von wohl duftenden Schnitzeln und Steaks.

Ich wünsche euch Lesern, Vegetariern oder Fleischessern ganz egal, ein frohes neues Jahr 2013, auch im Namen des Clowns.

Im Übrigen besteht der Clown darauf, dass ich mir folgendes Feature des WDR-Radio anhöre, vielleicht ist das ja auch für euch von Interesse.

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Während der blutende Mann ohne Obdach auf der Bank

Halt sucht.

Stehen zwei Streifenpolizisten mit ratlosem

Blick vor dem Subjekt und warten.

Ein Ball zerbricht das Geschehen.

Fliegt ihnen um die Nasen.

Fehlschuss!

Die spielenden Kinder kreischen vorbei.

Zwei Frauen auf hohen Schuhen mit strengem Parfum und vollen Taschen

jagen nach dem geeigneten Plätzchen für ihren Coffee To Go.

Ein Straßenfeger betrachtet die Szenerie.

Wie nur den Dreck schnell beseitigen.

Als ein Rettungswagen den Mann ohne Obdach

aus Clowns Blick entfernt,

rollen die Pappbecher des Coffee To Go in Richtung Blutlache.

 

Clowns Seifenblase Nr. 1


Der Geschmack dieser Zeit

Stille stand ich neben mir vor einem Bonbonpalast aus rotweißgestreiftem Zuckerwerk der Villa Rotlicht zog mich an sie strahlte mir entgegen eine Verführung welch Spiel dies war mein Glück und ich übersah als mich die Frau hinter dem Fenster aus Glas vermutlich die Herrin des Hauses erblickte der Glanz der rotweißen Zuckerschicht verlockte mich meine Zunge weit herausgestreckt küsste ich die Wand zärtlich duftendes Karamell begrüßte mich der Geschmack dieser Zeit Trostlosigkeit schien überwunden welch Wonne welch Glück schleckend labte ich meine Seele an dieser Fassade bis mein Bauch voll war und der Knopf meiner Hose aufplatzte da wollte ich zurück in mein Leben doch meine Zunge blieb kleben die Frau die Herrin des Hauses kam mir nun in den Sinn ihren Blick ihre Aufmerksamkeit suchte ich zu finden zu spät denn sie lief vorbei an meiner Zunge und an der Vanillestange und den Nougateiern und den Baiser-Nestern sie ließ mich zurück in der süßen Falle also auch meine Zunge inzwischen bin ich endlich satt um nicht zu sagen fett


Schall und Rauch.

Reggae dröhnt aus den Lautsprechern, als ich die Tür öffne. Ich nehme den besten Tisch. Habe meinen Blick für alle. Heute Abend. Mein Rücken sucht Schutz an der Heizung. Ich warte. Er wird gleich kommen.

Hat er gesagt. Also warten. Weiß nicht wohin mit meinen Augen. Der hinterm Tresen bietet mir etwas an. Ich warte lieber. Er wird gleich kommen. Ich schaue. Ins Leere. Aus dem Fenster an meiner Seite. Suchend. Ein Paar schlendert vorbei. Trotz schlechten Wetters. Merken sie gar nicht.

Es quietscht. Die Tür geht auf. Das.. ist er nicht. Ein Stammgast. Verruchter.Zielstrebig. An die Bar. Der am Tresen weiß, was er braucht. Ohne Worte. Und zapft es. Ein altes Paar. Der Stammgast, nun zu meiner Rechten, checkt mich ab. Ich ignoriere ihn. Und warte.

SMS: 🙂

Ich grinse. Die Tür.. Er? Zwei Frauen in meinem Alter. Zum Tisch vor mir. Vertieft. In ihr Gespräch. Getrennt. Vom Rest. Merken sie gar nicht. Ich nun umzingelt. Von den anderen.

Die Intimität der Anonymität wird mir zu aufdringlich.

Will nicht hören, dass der Freund der einen sich in den besten Freund der anderen verknallt hat. Der ist nämlich bi. Will nicht sehen. Wie der Stammgast zu meiner Rechten sich betrinkt. In der kurzen Zeit. Weil er das sonntags immer so macht.

Mag die Blicke nicht, welche die anderen mir beiläufig zuwerfen. Höre ich ihnen zu oder bin ich weiter mit mir allein?

SMS: 🙂

Noch 10 Min. Warte ich. Frag mich worauf.

Hey Leute. Heiße Matrosin und mein Hobby ist Warten.